Suchmaschinenoptimierung bzw. SEO

Die frühe Adaption des Archie-Konzepts – Ein Nager will Konkurrenz für das FTP werden

Willkommen zurück, lieber Leser!

Nach meinem melancholischen Schwelgen in den Erinnerungen an die Tage, in denen das World Wide Web noch frei war, ungebändigt und vor allem ohne jedwede zentralisierte Ordnung und der Einführung in meine Funktionalität als erste Suchmaschine – deren Funktionsweise sich bis heute in den technischen Grundlagen erhalten hat, will ich ihnen von der Zeit berichten, als das Internet hauptsächlich von anderen Protokollen als dem HTTP (Hypertext Transfer Protocol) dominiert wurde:

Nämlich vorrangig FTP (File Transfer Protocol) und der Episode des Gopher-Protokolls, das sich dazu anschickte das Nutzererlebnis der Internetuser zu verbessern und einfacher zu gestalten und der Weiterentwicklung der Grundidee, die zu meiner Entwicklung führte, und sicherlich einen ebenso tragenden Einfluss auf die Entwicklung der modernen Suchmaschinen hatte, wie es die Grundlage meiner Entwicklung als erste Suchmaschine des World Wide Web für FTP-Server für die Gestaltung späterer HTTP-basierender Suchmaschinen hatte.

Protokollarische Konkurrenz – Gopher tritt gegen das File Transfer Protocol an

Als 1991 der Informationsdienst Gopher als Konkurrenzprotokoll des bis dahin unumgänglichen und etablierten File Transfer Protocol (FTP), das den Ansatz Verfolgte, die Übersicht und Zugriff auf Gopher-Dateiserver über dynamisch generierte, dem frühen HTML-ähnliche, Menüs zugänglich zu machen die der Nutzer zunächst nur über den Gopher-eigenen Client, später jedoch auch über die aufkommenden Internetbrowser, aufrufen konnten.

Durch die grafische Darbietung und die Unterstützung der Steuerung per Maus erzeugte Gopher eine angenehmes Bedienerlebnis und konnte sich im Mainstream bis in die Mitte der 1990er Jahre halten, ehe es vom HTML-orientierten WWW und den weiterentwickelten, grafischen FTP-Clients obsolet gemacht wurde. Gopher konnte als Datenübertragungsprotokoll gegenüber dem File Transfer Protocol nie eine auch nur annähernde Marktdurchdringung erreichen.

Jedoch wurde der Dienst als konfigurationsarme und leichtgewichtige Alternative zur Bereitstellung von Daten ohne Anlernphase und mit einer kurzen und sehr steil verlaufenden Lernkurve durchaus geschätzt und fand für einige Zeit eine Nische im universitären Bildungssektor bei der Bereitstellung von Informationen und Daten.

Auch Regierungen nutzten den Gopher-Server und sein Protokoll aus ähnlichen Beweggründen. Das Ende des Dienstprotokolls wurde schlussendlich jedoch durch den Entschluss der Urheberrechtsinnehabenden Universität von Minnesota eingeläutet, der die kommerzielle Nutzung des Dienstes fortan kostenpflichtig zu gestalten. Was als verlockende Einnahmequelle verkannt wurde, entwickelte sich zu einem Desaster, das die Verwendung dieses innovativen Ansatzes zur einfachen Daten- und Informationsbereitstellung ein jähes Ende bereitete.

VERONICA: Very Easy Rodent-Oriented Net-Wide Index of Computerized Archives

Auf der Basis des Gopher-Protokolls wurde 1992 an der University of Nevada von Steven Foster und Fred Barrie der VERONICA entwickelt. Lassen sie sich nicht irritieren, die Bedeutung des Akronyms führt zur zwangsläufig zu einem männlichen Anzeige, es handelt sich ja um einen Index.

Die Idee des VERONICA war, eine Suchmaschine für die Gopher-Server anzubieten, deren Index sich aus den Eintragungen im Mutter-Server des Gopher-Protokolls zusammenstellte. Gopher war in dieser Hinsicht bereits sehr fortschrittlich, vielleicht auch aus den Überlegungen wie mein Dienst, der Archie-Server, hinsichtlich einer beständig wachsenden Internet-Infrastruktur, zu verbessern wäre:

Die Gopher-Server trugen sich am Mutter-Server der Universität von Minnesota, wo das Protokoll entwickelt wurde, ein und waren so bereits an zentraler Stelle registriert. Im nächsten Schritt waren die Gopher-Server also für ein entsprechendes Programm mit Zugriff auf diese Adressdatenbank zugänglich zur Auswertung.

Zentralisiertes Design sicherte die Internet-weite Erfassung aller Gopher-Server und ihrer Inhalte

Und genau an dieser Schnittstelle setzte VERONICA an, indem es den Zentralen Register an verfügbaren Gopher-Servern abrief und anhand der Liste seine Crawler an die entsprechenden Adressen schickte und, wie schon Archie auf Basis des File Transfer Protocol, die Datei-Listings und Verzeichnisstrukturen der Server indexierte und in einer Suchmaske, die später von nahezu jedem Gopher-Server bereits im Menü verankert, abgefragt werden könnten.

Der technische Fortschritt in VERONICA lag vor allem in der Form der Suche: Hier war es erstmals möglich, nicht mehr nur nach bestimmten Dateinamen oder Namensteilen mithilfe einer sogenannten „Wildcard“, wie zum Beispiel „Archie.*“ für alle Dateien mit dem Titel „Archie“, zu suchen, sondern erlaubte eine Volltextsuche die zudem die Verwendung von sogenannten Booleschen Operatoren anbot, wie etwa „UND“, „ODER“ . Somit wurde dem Nutzer eine komplexe Suchanfrage nach bestimmten Inhalten ermöglicht und die Suche nach Inhalten des WWW, hier Dateien und Verzeichnissen, dynamischer gestaltet.

Konsequente Weiterentwicklung der Nutzerfreundlichkeit durch grafische Umsetzung

Auch der Gedanke der Weiterentwicklung von GUI-gestützten Diensten (Graphical User Interface) fand hier Anwendung, da sowohl die Suchmaske als auch die Suchergebnis-Anzeige, eine frühe Form der SERPs (Search Engine Result Pages), waren grafisch und zur mausgestützten Bedienung vorgesehen, wenngleich es auch Konsolenbasierte Ports für die Abfrage von VERONICA gab, lag die hauptsächliche Verbreitung dieses Programms in dem Erscheinen als GUI-gestützte Suchmaschine.

Was VERONICA von ähnlichen Ansätzen zur indexierten Suche unterschied, wie sie etwa „Jughead“ oder der gedankliche Vorläufer von Gopher, das WAIS-Protokoll (Wide Area Information Server System) anboten, war die server-übergreifende Indexierung von Dateien und Verzeichnisstrukturen. So war „Jughead“ lokal auf einen Server begrenzt und WAIS stellte zwar einen Server-Index zur Verfügung, war jedoch strukturell so angelegt, das keine zentrale Datenbank die Einträge zusammenfasste, sondern vielmehr die einzelnen WAIS-Server thematisch sortiert und über den Server-Index (Das sog. directory-of-servers) zunächst per Hand anzuwählen waren und somit wieder mehr Ähnlichkeit mit einem Webverzeichnis denn einer Suchmaschine hatte.

Die Funktionsweise von VERONICA arbeitete das grundsätzliche Konzept, wie eine globale Suchmaschine zu funktionieren hatte, weiter aus und war im Rahmen seines Anwendungsgebiets sehr erfolgreich und zeigte zeitgleich, wie künftige Suchmaschinen arbeiten würden, wie etwa Google, das als Suchmaschine nahezu identisch Funktioniert, wie schon ihr Vorläufer, die VERONICA und auch ich, der gute alte Archie!