Suchmaschinenoptimierung bzw. SEO

Die Zweitgeborenen – Wie Yahoo, Lycos, AltaVista den totgesagtem Markt für Suchergebnisse neu belebten

Mit dem Scheitern der ersten indexbasierten Suchmaschinen an den Grenzen der technischen Möglichkeiten ihrer Zeit schien es so, als wäre der Traum von zentralen Registern, die umfangreiche Volltextsuchen mit Keywordbezug in einer Art vollständigen „Branchenbuch des Internets“ als zu aufwendig und riskant begraben. Und es würde nach dem großen Scheitern der Pioniere auf diesem Gebiet für fast zwei Jahre verdächtig still und erst im Lauf des Jahres 1994 würde eine neue Generation von von Suchmaschinenbetreibern in den nur schwach verteidigten Markt eindringen.

Die Namen dieser Suchmaschinen? AltaVista, Yahoo und Lycos, die als Branchenriesen bis heute ihre Spuren im gemeinsamen Gedächtnis der Netz-Gemeinde hinterlassen haben. Ihr Verdienst ist es, das Konzept der indexbasierten Suchmaschine nach dem Fehlschlagen ihrer Vorgänger erneut aufgenommen und erfolgreich am Markt, zu etablieren, der nun die richtigen technischen Rahmenbedingungen bot. Zwar sind sie die technisch zweite, wohl aber erste Generation der als erfolgreich zu wertenden kommerziellen Erbringung von Suchergebnissen aus, von ihren Crawlern erfassten Bereichen des WWW.

Das Konzept der Suchmaschine wird neu aufgelegt – Große Namen werfen ihre Schatten

So glänzte gerade die Suchmaschine AltaVista schon früh mit einer hohen Qualität und Genauigkeit und dem geringen Aufkommen von Spam-Webseiten im Suchregister und konnte sich in seiner Generation den Ruf des Vorreiters in der noch jungen Branche erarbeiten. Ursprünglich im Rahmen eines Forschungsprojektes der Digital Equipment Corporation (DEC) entwickelt um die Leistungsfähigkeit der eigenen Serveranlagen zu demonstrieren, war AltaVista eine der ersten kommerziellen und auch kommerziell erfolgreichen Suchmaschinen.

Das Geheimnis lag jedoch nicht allein in der Leistung der Server der Suchmaschine, sondern wie bei Google, im seinerzeit überlegenen Suchalgorithmus, der nicht nur die in den HTML-Ausgaben hinterlegten META-Daten indexierte, sondern zudem auch Teile des eigentlichen Inhaltes, dem Content, erfasste und dadurch präzise Suchanfragen in einer Volltextsuche erlaubte, die bis dahin wenn, nur leidlich umgesetzt wurde, jedoch hier bis zur Ablösung durch den Branchenneuling Google Search, neben der Suchmaschine HotBot zur gefragtesten Suchmaschine des WWW wurde, deren Suchergebnisse später auch an andere Unternehmen, wie etwa Yahoo, verkauft wurden, die die Entwicklung eigener Suchalgorithmen eingestellt hatten.

AltaVista zeigte die Erfolgreiche Umsetzung einer Volltextsuche im HTML-dominierten WWW

Nach dem Verkauf von DEC an Compaq wurde AltaVista als eigenständige Suchmaschine ausgegliedert und bestand bis in das Jahr 2003, wo sie von einer Tochtergesellschaft der Yahoo Inc. aufgekauft wurde und schlussendlich vollständig in das Dienstleistungsportfolio der Muttergesellschaft integriert wurde und aufhörte, als eigenständige Suchmaschine am Wettbewerb teilzunehmen.

Andere Teilnehmer am Markt wie etwa Lycos, schufen ihren Erfolg unter anderem auch mittels der Anwendung klassischen Marketings. So dürfte sich jeder „digital native“ an die Werbesendungen im Fernsehen erinnern, ebenso wie an das Markante Maskottchen des Unternehmens, den Labrador welcher stellvertretend für die algorithmische Mechanik im Hintergrund auf der Nutzeroberfläche der Seite die Suchanfragen erfüllte und so alleine von markentechnischen Standpunkten auf festem Grund stand, der durch die durchweg als „gut“ bewerteten Suchergebnisse der Suchmaschinenfunktionalität noch einmal so gut gestützt wurde.

Erfolg zum Teil auch weniger durch Leistung denn geschicktes Vermarkten der eigenen Marke

Dennoch konnte Lycos sich mit der Dienstleistung „Suchmaschine“ alleine nicht am Markt durchsetzen und begann schon früh, seine Auswahl an angebotenen, Internet-bezogenen Dienstleistungen zu erweitern um ein breiteres Spektrum am Markt abzudecken. Der wahrscheinlich bekannteste Dienst von Lycos war der kostenlose Hosting-Dienst für private Webseiten namens Tripod den Lycos 1998 zukaufte und damit den bereits bestehenden, jedoch an eher jugendliches Klientel gerichteten Dienst Angelfire.

Weiterhin erwarb das Unternehmen zudem Kapazitäten im Bereich des frühen „social gaming“ unter dem Namen Gamesville als auch den eigenen Wetterdienst „Weather Zombie“ und einer Reihe weiterer zugekaufter Dienstleistungen. Lycos selbst baute zudem die Seitenfunktionalität durch das Angebot eines Domain-Verwaltungsdienstes aus, richtete einen kostenfreien Email-Service ein, bot mit Lycos Retriever einen automatisierten Datensammlungsdienst an und bot darüber hinaus Branchenbezogene Services an und folgte damit den einhelligen Trend zur Ausprägung als „Alles in Einem“-Onlineangebot.

Lycos erlag der Tendenz des „Bloating“ – Zu viele Dienste unter einem Dach statt „nur“ Suchmaschine zu sein

Diesen Weg verfolgte auch das wohl erfolgreichste Mitglied der „zweiten Generation“ von Suchmaschinen, die Onlineplattform „Yahoo!“, die 1994 von David Filo und Jerry Yang, zweier Doktoranden der Stanford University – die später die Entwickler von Branchenprimus Google hervorbringen sollte -, als Navigationshilfe für das Internet entworfen wurde, also eigentlich nicht dem originären Bereich der Suchmaschinendienstleistung zuzurechnen war, sondern zunächst einen umfangreichen Webkatalog anbot, welcher die Grundlage für die Entwicklung einer der erfolgreichsten Marken des Internets werden sollte.

Zunächst jedoch launchte Yahoo unter dem Namen „Jerry and David´s Guide to the World Wide Web“ online ging, doch noch im selben Jahr seinen heutigen Markennamen annahm und rasch, ebenso wie Lycos auch im Empfangsbereich klassischer Werbemedien und Marketingstrategien eine hohe Markenbindung erzeugte, der trotz der Marktbeherrschenden Stellung der Google Inc. alleine mit seinem Free-Mail-Service „Yahoo! Mail“ rund 300 Millionen Nutzer weltweit zählt. In der allgemeinen Wahrnehmung gilt Yahoo durchaus zu den Suchmaschinen, spätestens seit dem Zukauf der Ergebnisse der AltaVista-Suchmaschine ist davon zu sprechen.

Yahoo! – Eine erfolgreiche Internet-Marke, doch als Suchmaschine ohne Bedeutung

Hier sind von mir nun drei Beispiele genannt, von denen eines nicht einmal eine „echte“ Suchmaschine im eigentlichen Sinne darstellt, jedoch steht Yahoo wie kein zweites Unternehmen der zweiten Generation für die Entwicklung der späten 1990er-Jahre die man gemeinhin als „Bloating“ bezeichnet: Dem Aufblähen des eigenen Angebots durch Ankauf oder Entwicklung immer neuer Fertigkeiten und original von der Bereitstellung von Suchergebnissen unabhängiger Dienstleistungen, der nahezu alle Suchmaschinen, die nicht ausschließlich Webcrawling-Dienste im Rahmen von Forschungsprojekten darstellten, erlagen und unfreiwillig im Kampf um die Bindung des Kunden an die eigene Marke und Gewinnung neuer Marktanteile damit ihre eigene Abwahl als primäre Suchdienste und der Bedeutung in diesem Bereich einleiteten.

Gerade den Stagnation der Optimierung von Suchalgorithmen mit damit einhergehendem „Mauern“, um den Nutzer in der Reichweite eigener Angebote zu halten, führte zu einer Überladung der einst intuitiv gestalteten Seiten und schreckten gerade jene Nutzer ab, die mit kleiner Hardware und langsamen Zugängen surften – zum großen Teil neue Nutzer des bekannter werdenden WWW – und drängten durch die langen Aufbauzeiten und die Unübersichtlichkeit der Onlineangebote ab, in die Arme einfacher und schlanker gestalteter Dienste.

Das Ende der zweiten Generation kam mit der Einfachheit Googles

Ein Dienst, wie Google es werden würde: Sich konsequent an den Bedürfnissen ihres Kerngeschäftes, der Bereitstellung von Suchergebnissen, ausrichteten und eine für jeden Nutzer des World Wide Webs zugängliche und leicht zu bedienende Oberfläche mit schnellem Seitenaufbau bereitstellten.

Durch die Spezialisierung und eine gelungene Personalpolitik, welche die talentiertesten Nachwuchsingenieure weltweit anwarb, lieferte die Suchmaschine zudem eine hohe Qualität auf den Suchmaschinenergebnisseiten und kündigte damit ab dem Jahr 1998 einen erneuten Generationswechsel im Suchmaschinen-Business an: Der Generation Google.