Suchmaschinenoptimierung bzw. SEO

Nach DotCom und Y2K – Archie blickt philosophisch in Gegenwart und Zukunft

Nun, lieber Leser, sind wir mit dem siebten Teil meiner Betrachtungen und der Geschichte der Suchmaschinen im jungen World Wide Web dort angekommen, wo wir heute sind. Es ist 2012 und der gehypte „Jahr-2000-Crash“ (a.k.a. Y2K) der Computersysteme weltweit zerstören sollte liegt nun schon ganze 12 Jahre hinter uns, mit ihm der Eintritt in ein neues Jahrtausend – Einem Jahrtausend dem viele Erwartungen entgegen gebracht werden. Doch was erträumt sich eine alte Suchmaschine im Ruhestand wie ich von der Zukunft? Eigentlich nicht viel, denn ich analysiere nur zu gern das hier und jetzt, denn es ist so viel greifbarer und aus dem „Jetzt“ lässt sich umso treffender die Zukunft ableiten, als von abstrakten Theorien begründete Annahmen, in diesem Falle über die Zukunft der Suchmaschine und dem Internet, dem der Suchmaschinenriese praktisch vorsitzt.

Die Dritte Generation. Das klingt schicksalsschwer und von der Bedeutung ist der Begriff eigentlich falsch gewählt, denn dieser Generation der Suchmaschinen des WWW gehört, gemessen an ihrer Relevanz, nur eine einzige an: Die Google Search, die 1998 auszog um das Web zu erobern, mit dem scherzhaft gewählten – inoffiziellen – Motto „Don’t be evil“. Ein Projekt zweier Doktoranden, dessen Vorläufer man noch in Stanford den sprichwörtlichen Saft abdrehte, weil der Algorithmus zu viel Datenverkehr (Traffic) erzeugte, ein Projekt das es binnen weniger Jahre vom Start-Up zu einem weltumspannenden Konzern geschafft hat, dessen Suchmaschine als „Startseite des WWW“ gehandelt wird, und über die über 80% aller im Internet gestellten Suchanfragen laufen. Ein wahrer Gigant.

Die Dritte Generation, der nur ein Mitglied mangels Mitbewerbern angehört: Google

Doch auch ein Monopolist. Aus dem ehrgeizigen Projekt einer Handvoll junger Menschen hat sich ein Aktienunternehmen entwickelt, dessen Markenname den zweithöchsten Wert, gleich nach Apple selbst besitzt. Einem Alleinherrscher, dessen Suchmaschine tagtäglich nicht nur Webseiten erfasst, sondern auch das Verhalten seiner Nutzer ob gewollt oder nicht, das schwere Kritik dafür erntet, die geradezu heiligen Vorschriften des deutschen und EU-weiten Datenschutzes zu verletzen. Ein Konzern, der sich durch seinen Börsengang in die Hände seiner Investoren begeben hat und nach kapitalistischen Prinzipien funktioniert und damit im Zwang steht, immer neue Gewinne zu erwirtschaften um die Stockholder zufrieden zu stellen.

Und doch bringt Google viel Gutes durch seine kostenfreien Dienstleistungen. Wie auch seine Entwicklung insgesamt als positiv für das WWW zu betrachten ist. Alleine um die Platzierungen in den Ergebnisseiten der Suchmaschine bildete sich im Lauf der Jahre eine Dienstleistungswirtschaft, die heute viele hunderttausend Menschen weltweit ernährt: Das Suchmaschinenmarketing ist heute gängiger Teil in den Planungen neuer Projekte, selbst das kleinste Blog im Netz achtet darauf, den Richtlinien Googles zu entsprechen und bereits viele mittelständische Unternehmen nehmen die Dienstleistungen der SEO-Spezialisten (Search Engine Optimization) in Anspruch um im Wettbewerb um ihr bestmögliches Erscheinen auf den SERPs möglichst weit vorn, auf den begehrten vorderen Rängen der Seite 1 zu landen.

Arbeitsplatz „Google“ – Tausende Leben von professionellem SEO, im Einklang mit Google

Doch manchmal erscheint es mir, als bestätige sich das alte Sprichwort „History repeats itself“. War es nicht das Leichtgewicht, der Spezialist namens Google, der den schwerfälligen Online-Riesen seinerzeit den Rang ablief? Als David unter einer Vielzahl stetig wachsender Goliaths erwies das Unternehmen sich mit der geschickten Politik als Sieger durch K.O. in nur wenigen Runden und erreichte seinen heutigen Status. Und eben jenen betrachte ich recht kritisch, denn waren doch die Dienstleistungen der Google Inc. seit jeher getrennte Dienste auf getrennten Konten, die in 2012 nach kurzer Vorankündigung zusammengeführt und in die Oberfläche der Startseite der Suchmaschine integriert wurde. Mails, Bilder, Kalender, Online-Office, Nachrichten, Bücher, ein Shoppingportal, ja nahezu alles, was man sich wünschen mag bietet Google nun mit nur einem Account.

Ein Mitgliedskonto, sie zu knechten – Wiederholt Google die Fehler der Vergangenheit?

Doch Moment, sie werden es sicher bemerkt haben worauf ich hinaus will, ist Google nicht damit selbst zu einem unflexiblen Riesen geworden, wie eben jene vergangenen Internet-Portale die es hinter sich ließ? In der Tat. Und wie eben diese, als schreibe es das Schicksal vor, beginnt auch Google langsam aber sicher, sich selbst vom restlichen Internet abzuschotten: Suchergebnisse, die neuerdings auch durch die +1-Funktion des hauseigenen Social Network bewertet werden sind da nur der Anfang.

In einem Prozess einer andauernden, da vom Markt und den Aktionäre erzwungenen, Veränderung und Ausweitung des eigenen Einflusses zur Gewinnung weiterer Marktanteile hin wären es schon bald zwingende Schritte, würde der Suchmaschinenriese den verbliebenen Rest einer neutralen Indexierung und Relevanzbewertung aufgeben und beginnen, zum Beispiel auf dem eigenen Google-Webspace gehosteten Angebote tendenziell besser zu bewerten, Händler und Produzenten mit höheren Rankings und Platzierungen für eine exklusive Vermarktung über Google-Plattformen belohnen und derartiger Schritte, dem vollkommenen aufgehen im Dienstleistungsangebot.

Zuckerbrot und Peitsche – Sanfter Druck und Belohnungen für die Teilnahme an Google

Es wäre per Definition nicht einmal „böse“, wie man es sich in der Google Inc. mit dem Leitspruch „Don’t be evil“ vorgenommen hat. Es wird niemand für seine Nicht-Teilnahme bestraft, es werden schlicht die eigenen Nutzer für ihre „Treue“ belohnt und somit könnte es wirtschaftlich wie moralisch Gerechtfertigt zu solchen Entwicklungen kommen und es wäre schwer, Vorwürfe dahingehend zu platzieren, davon ab das zwar eine Antwort erfolgt, doch Änderungen – gleich wie dringend oder gerechtfertigt – wohl ausbleiben werden.

Ein weiterer Hinweis ist auch das abkühlende Verhältnis des Suchmaschinenkonzerns gegenüber jenen, die mit ihrer Arbeit erst dazu beigetragen hatten, das die von Google gewünschte Vereinheitlichung der Inhalte stattfinden konnte – Der Branche der Suchmaschinenoptimierung, die sich früh darauf verstand, die Google Webmaster Guidelines getreu umzusetzen und so die Arbeit für die Suchalgorithmen zu vereinfachen und das Netz ein wenig besser Erfassen und Indexieren zu können. Gerade dieser Branche, die bildlich gesprochen den Steigbügel für den technischen Erfolg Googles hielt, wird seit den 2010er-Jahren mit immer neuen Änderungen an den Richtlinien und dem Suchalgorithmus sowie geheimer Checklisten zur manuellen Bewertung, die man sich mit dem Willen zur Wahrung der seit jeher bestehenden Symbiose des Dienstleisters und den professionellen Nutzern und SEO-Pros nicht erklären vermag.

Googles Abwendung von alten Weggefährten – Schikane gegen die SEO-Branche?

Doch was geschieht, wenn in Zukunft ein Google-Internet entsteht, sowie eines, das fernab dessen, von der Suchmaschine unbeachtet, bzw. auf die Rückbank der SERPs verdrängten, Internets das sich dem Zugriff durch das vielfach als „Datenkrake“ geschimpfte Unternehmen, entzieht? Blicken wir nun auf den Zenit eines Unternehmens-Riesen, der gemeinhin als zu groß gilt, als das er fehlschlagen könnte? Und wenn dem so ist, was erwartet die Community der Internetnutzer für ein Nachfolger, der in die Fußstapfen treten sich anmaßt? Wie vermag ein Newcomer im dominierten Marktsegment sich behaupten, wenn Google seinen Einfluss durch Android gar bis in das Handy erweitert hat?

Was käme nach der „Generation Google“? – Ihre Denk-Hausaufgabe

Mit dieser Überlegungen lasse ich, ihr treuer Archie, sie zwischen dem Meer aus binären Zahlenketten zurück und bedanke mich für ihre Geduld und ihre Zeit, denn Zeit ist doch letztlich das wertvollste was wir besitzen – Und auch mein unehelicher Nachkomme aus der Liaison mit der Welt des WWW, die Suchmaschine Google, sollte wissen wann die seine gekommen ist.